Das Reiterhippodrom
#1

Korrekturpferde und wie man damit umgehen kann, oder auch nicht. ;-)

in Springen und Dressur 05.12.2005 14:19
von indy • Turniertrottel | 2.200 Beiträge | 2200 Punkte
Auf Anregungen von Tanja wäre es doch sinnvoll, eine extra Box für Korrekturpferde zu eröffnen. Gerade, weil zur "Korrekturreiterei" ja nicht nur das v/a auf dem Speiseplan steht.


Fang ich bei mir selber an: Echnaton. Wir hatten schon einen eeeetwas ungünstigen Start, obwohl ich glaube heute mit grosser Sicherheit sagen kann, dass er relativ bald in der Wurst gelandet wäre, hätten wir uns nicht getroffen.
Aufgewachsen als Einzelfohlen nur mit Mama als Gesellschaft und mit knapp 3 noch säugend war er ziemlich "sozialgestört". Als er (sehr temperamentvoll und von der sehr ungünstigen Sorte ängstlich-dominant) "eingefahren" wurde - hiess Geschirr drauf, Mama daneben, Echnaton dreht ab und zerstört die Kutsche - wurde er kurzerhand an einen dubiosen Händler abgeschoben und "eingeritten". Dort stand er fast 9 Monate rum, bevor er zu mir kam. Entsprechend toll war er geritten, zusätzlich vor allem schwer krank.
Ich 13, er gut 3,5. Allein sein Körperbau war eine Katastrophe. (muss mal alte Bilder rauskramen) Steckenhals mit extremen angeborenen Unterhals, sehr enge Ganasche, sehr kurzer, empfindlicher Rücken ohne den Ansatz von Bemuskelung, sehr steile Hanke.
Natürlich lief alles "schief". Unzählige Abwürfe, ein ständig völlig hysterisches, durchgehendes, buckelndes, kopfloses etwas. Prima. Massive Probleme mit dem Gebiss. Natürlich waren wir beim RL. Antwort: oh, ein Sternchengucker, kriegen wir hin. Kurzfassung der RL-Odysee: keiner hats hingebracht, Ausbinder, Gummidinger, ... nix. Intelligent genug war ich komischerweise schon, dass nie ein Schlaufi oder ein scharfes Gebiss an ihn rankam. Warum, weiss ich eigentlich selber nicht.
3 sehr teure Beritte folgten, zurück bekam ich beim letzten Mal ein sporenpanisches Pferd, das ab diesem Zeitpunkt nie wieder mit Sporen geritten werden konnte, da das dann an lebensgefährlich grenzte. Erfolge: jeweils -10, da er zu sensibel war. Ich glaube, allein die Umstellung in den Berittstall waren zu viel, ganz abgesehen vom Druck, der auf ihn ausgeübt wurde.

Kondition hatte er für 8 Pferde (kam wohl das Vollblut raus) und springen konnte er sehr gut. Nur an die Hand reiten?? No chance. Dafür sprang er wirklich alles aus jeder Lebenslage, aber springen wollte ich nicht. Wir Kinders waren z.b. bescheuert genug, über meinen auf einem Stuhl sitzenden Bruder zu springen... Oh gott, wenn Mama das liest, bringt sie mich um...

Also, danach hatte ich auch keinen Bock mehr auf Unterricht odgl. Wir sind fast nur noch ins Gelände (und das war auch ok so, anders wäre es wohl noch schlimmer ausgefallen) und hatten mit der Zeit einen beiderseitigen "Nichtangriffs-Pakt". (meistens jedenfalls)

Jahre später - also ca. 9-10 Jahre später - noch 2 Versuche hier in MUC mit anderen RL. Erfolg: null. Ausser dass eine RL sehr grob im Gebiss rumzog vom Boden aus. Heute würde ich ihr einen A***tritt verpassen. Im Übrigen - Trainer B.
Der andere, bekannterer Springreiter, liess uns im Unterricht mehr oder weniger "in Ruhe". Aber das kann es ja auch nicht sein.

Noch ein Jahr später, Echnaton damals 14, beginnende Arthrose im Sprunggelenk, stiess ich auf meine RL (Klassik). Ja, wir haben es geschafft, mit Wassertrense und ohne einen einzigen Hilfszügel, mit viel, viel (komischer) Technik Echnaton etwas in die Tiefe zu bewegen und etwas Vertrauen in die Hand zu geben. Sehr viel Bodenarbeit, sehr lange Zeit gar kein Reiter drauf, komische v/a-Technik (ein bisschen wie Cygon). Da merkte ich auch, wie ultraschief er war, und dass er sehr Schmerzen gehabt haben muss. Nach guten 6 Monaten hatte ich nämlich ein relativ unhysterisches Pferd...


Edit: es kam halt viel Scheisse zusammen, und viel hab ich auch selber kaputt gemacht. Wobei ich ja schon sagen muss, dass ich immer Hilfe gesucht hab, und das Gegenteil bekommen hab, was die RLs da tw. angestellt haben ist von heutiger Sicht aus unglaublich. Ich war halt zu doof und zu unerfahren und auch zu unbelesen um was ändern zu können.
Denn - apropos dem Vorwurf, viele Klassiker würden zwar viel lesen, aber dann nur bremsen - VOR dem Tun, kommt das Wissen. Dies umzusetzen, ist die Kunst. (so ungefähr von podhajsky). Hätte ich damals doch nur schon so viel gelesen, dann wär ich früher auf den Trichter gekommen, dann hätte ich gewusst und ein paar Sachen verhindert. Aber Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

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Meine Meinung steht fest, bitte verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen.


zuletzt bearbeitet 05.12.2005 14:26 | nach oben springen

#2

RE: Korrekturpferde und wie man damit umgehen kann, oder auch nicht. ;-)

in Springen und Dressur 05.12.2005 18:57
von Kimble03 • Kleines Hufeisen | 293 Beiträge | 293 Punkte

Zitat von indy
VOR dem Tun, kommt das Wissen. Dies umzusetzen, ist die Kunst.

Hm. Auch wenn das Zitat von einer ehrenwerten Persönlichkeit stammt, möchte ich doch darauf hinweisen, daß mir da ein wichtiger Bestandteil fehlt.

Das Gefühl. Die Intuition.
(Vielleicht meinte er das aber auch, nicht "nur" das angelesene/erlernte Wissen...)

Auch ohne Wissen kann ich sehr viel richtiges tun, rein aus dem Bauch raus.
Wenn ich auch noch weiß, kann ich evtl. vermitteln.
Wenn nicht zu viel gegen mich spricht, kann ich vielleicht dan sogar noch einiges umsetzen.

Korrekturpferde und wie man damit umgehen kann. Hm.
Dazu kann ich nicht viel schreiben, hab zwar schon einige gesehen. Aber ich bin nicht der Ansicht, daß man da irgendeine Linie/ ein Rezept verbreiten sollte, denn gerade da kommt es besonders darauf an, daß man Hilfe von jemandem findet, der über genügend Können verfügt, sich auf das entsprechende Pferd einzustellen.

Um beim Beispiel zu bleiben:
Daraus abzuleiten, daß JBB jedem Pferd helfen kann, weil er Echnaton geholfen hat ist nicht richtig. Und war von dir auch nicht behauptet.
Könnte aber hier in so einem Forum gerne als "Rettungsleine" verstanden werden, weil ja Korrekturpferdebesitzer gerne verzweifelt sind.

Drum halt ich mich mal raus.
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Immer schön wirr bleiben!
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#3

RE: Korrekturpferde und wie man damit umgehen kann, oder auch nicht. ;-)

in Springen und Dressur 05.12.2005 20:33
von indy • Turniertrottel | 2.200 Beiträge | 2200 Punkte
Kimble, einer DER Leute, die überhaupt nix bei Echnaton bewirkt haben (im Gegenteil, er lief bei ihm schlechter als du dir vorstellen kannst), war JBB. Kann dir jeder bestätigen, der Echnaton vor dem Kurs gesehen hat, und beim Kurs. Er reagierte extrem sauer und anti auf die hohe Hand. Im übrigen, selbst als er selber draufsaß, ging es nicht besser.


Um korrekt zu bleiben hatte ich auch 2 RL. Eine klassische, die zuerst (huch, wie FN-artig) über das v/a - aber in Cygon-Leichttraben - über die hohle Seite Echnaton überhaupt erst dazu bewegt hat, über ein Kopfsenken nachzudenken. Allerdings war der auch so extrem, dass seine STirnlinie immer nahe der Waagerechten war, mein Ernst.
Dann RL Wechsel, wieder zu einer klassischen. Arbeitete doch etwas anders, nahm deutlich Tempo raus, .... Ich weiss nicht, ob es andersherum funktioniert hätte. Ich hatte sicherlich das unglaubliche Glück die beiden jeweils zum richtigen Moment zu treffen an einem Punkt, wo mich die jeweilige RL auch "abholen" konnte.

Das Korrekturpferdereiter oft am verzweifeln sind, da kann ich dir wirklich bepflichten.
Ich habs ja selber gesehen - es ist so wichtig, dass man den richtigen RL trifft, und das ist leider auch mit viel Glück verbunden. Die in diesem Moment besten sind ja nicht unbedingt die bekanntesten. Und wie Balkenhol schon sehr richtig festgestellt hat - es fehlen wirklich gute Ausbilder. Etwas enttäuscht war ich doch, dass selbst das neue Trainer-system, das ich eigentlich sehr gut finde, doch wieder so viel Pflaumen rausbringt. Aber, natürlich liegt das v.a. an den Leuten und nicht an den Richtlinien. Wie man sowas ändern könnte, weiss ich selbst nicht.


Um das Zitat zu berichtigen:

Theorie ist das Wissen,
die Praxis das Können.
Immer aber soll das Wissen
dem Handeln vorausgehen.

Ich denke, Podhajsky geht natürlich vom fühlenden Reiter aus. Da hast du recht.

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Meine Meinung steht fest, bitte verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen.


zuletzt bearbeitet 06.12.2005 10:01 | nach oben springen

#4

RE: Korrekturpferde und wie man damit umgehen kann, oder auch nicht. ;-)

in Springen und Dressur 06.12.2005 09:54
von Ninja • Pferdepfleger | 862 Beiträge | 872 Punkte

Die Geschichte kommt mir leicht bekannt vor, wenn ich sie auch nicht ganz so krass erlebt habe.
Fangen wir von vorne an:

Als ich mein Pferd bekommen hab, war ich 14. Dank der verrückten, ausrangierten Galopper die mein ehemaliger RL Schulpferde nannte war ich zwar äußerst sattelfest, aber von richtigen reiten hatte ich keine Ahnung.
Mein Pferd war damals 9 und ziemlich verdorben. Er wollte nichts von Menschen wissen, lies sich auf der Koppel nicht fangen, biss und trat beim putzen und satteln und geritten war er mies: reintreten hieß schneller werden und auf am Zügel ziehen wurde er langsamer, wenn es ihm passte.
Eine Reithalle hatte er anscheinend überhaupt noch nie gesehen, und im Gelände war er gefährlich weil er weder Schritt noch Trab gehen wollte und wenn er nicht galoppieren durfte, hat er gebuckelt wie ein wahnsinniger.

Das erste Jahr mit ihm war der Horror, ich war fast jeden Tag kurz davor meinen Eltern zu sagen, ich kann nicht mehr.
Hilfe hatte ich auch keine wirkliche, so vernünftig war ich zum Glück, dass ich mich mit den Methoden meines damaligen RLs nicht anfreunden konnte. Der hat nämlich sämtliche Probleme mit Pelham, Schlaufzügel und Gerte gelöst.

So langsam ging es trotzdem voran, auch wenn auf fast jeden Schritt nach vorne, wieder einer zurück folgte. Dann kam zum Glück mein jetziger RL ins Spiel, mit dessen Hilfe dann aus meinem Monster ein nettes Reitpferd wurde.
Heute, bald 8 Jahre später, geht mein Untier L Dressur und ist der beste Freizeitkumpel den ich mir vorstellen kann. Aber nochmal würde ich mir ein deart verdorbenes Pferd nicht mehr kaufen.
Du kannst dich den ganzen Tag ärgern, bist dazu aber nicht verpflichtet.


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